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Sport im Alltag

Die 5 Rhythmen

Meditation und Heilung durch die fünf Rhythmen

„Das eigentliche Ziel von Meditation ist, das Denken zum Schweigen zu bringen, und der schnellste Weg dorthin ist, mich zu bewegen", sagt die Amerikanerin Gabrielle Roth, die den Fünf-Rhythmen-Tanz kreiert hat.

Die 5 RhythmenDas jedoch war, wie sie in einem Zeitschrifteninterview erklärte, nicht die Erfindung eines Momentes. Über 35 Jahre unterrichtet sie ihre besondere Form der Bewegungsmeditation, in der Workout und Ekstase, Selbstausdruck, Kunst, Theater und Heilung auf immer neue Weise zusammenfließen. Bei ihrer Arbeit hat sie Energiemuster herausgefiltert, welche allen Menschen gemeinsam sind, Archetypen, die sie als die fünf Rhythmen bezeichnet. Indem wir uns durch sie hindurch bewegen, gelangen wir auf eine körperliche, instinktive Ebene. Dort kommen unterdrückte Themen zum Vorschein, Gefühle wie Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit, Verzweiflung etc., und dort ist der Ort, an dem Heilung passieren kann.

Die Archetypen der Rhythmen

Die fünf verschiedenen Rhythmen nennt Roth Flowing, Staccato, Chaos, Lyrical und Stille. In der ersten Phase, dem Flowing, geht es darum, Vertrauen in uns selbst aufzubauen, uns »flüssig« zu machen mit runden und fließenden Bewegungen. Damit soll das Weibliche in uns sowie der Kontakt zur Erde gestärkt werden. Staccato dient dem Ausdruck mit der Kraft unseres Herzens, dient dazu, zielgerichtet, geradlinig und präzise zu formulieren, was wir wollen und nicht wollen. Diese Phase wird dem Männlichen zugerechnet. Chaos vereint nun die beiden gegensätzlichen Energien und löst alle vorher etablierten Formen auf. Die Bewegungen werden unvorhersehbar, gegensätzliche Pole treffen aufeinander wie Hochs und Tiefs auf der Wetterkarte.

Der nächste Archetyp Lyrical öffnet den Tänzer für das Magische, das zutiefst Poetische, das sich hinter dem Alltäglichen versteckt. Mit diesem Rhythmus findet ein Energiewechsel statt. Er tritt ein, wenn sich die elektrisierende Energie des Gegensätzlichen erschöpft und man sich dem Augenblick hingibt. Die letzte Station Stille schließlich animiert zu langsamen Bewegungen mit starker Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstheit. Sie stellen sich automatisch ein, wenn vorher ekstatisches Erleben stattgefunden hat.

Dazu erklärt Roth im Interview: »Ekstase geschieht, wenn du unmittelbar und rückhaltlos an die tiefsten Kräfte in dir selbst angeschlossen bist, ohne Filter, ohne Blockaden; wenn nichts mehr zurückgehalten oder unterdrückt wird. Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass die Freiheit, nach der ich suchte, die Freiheit von mir selbst war; man muss dieses Ego-Ich loslassen, damit man Ekstase erfahren kann, das gibt dem Selbst Heilung.«

Verbindung zu Erich Fromm

Mit der „Stille“ ist man sozusagen bei der Aufgabe von Kontrolle, dem Überwinden des Egos, dem Loslassen von Konzepten und Problemen angekommen. Die Philosophie von Roth, die sich auf Osho, Buddha und Jesus beruft, erinnert auch an Erich Fromm, den amerikanischen Philosophen der 70er, der in seinem Standardwerk „Die Kunst des Liebens“ das Grundproblem des Menschen benannt hat: die Trennung vom Ganzen. Und somit die Entstehung des Egos, dessen wesentlicher Antrieb, die Angst, allgegenwärtig ist. In einer Welt voller Trennungen zwischen Kopf und Bauch, Denken und Fühlen, Technik und Natur, hungern wir alle nach Momenten der Verbindung und Einheit. Wege dorthin sind nach Fromm Liebe, Sex, Meditation, Rausch und Tanz, wobei die tiefe Hingabe an den Moment, die Ekstase, bei allen diesen Wegen entscheidend ist.

Die Trägheit überwinden

An Musik gibt Roth nur vor, was das jeweilige Thema unterstützt. Möglich ist alles über Klassik, Jazz, Trance, Ethno und Soul bis hin zu Pop und Rock. Dazu gibt es jeweils Anleitungen, Übungen und inspirierende Bilder. Schritte und Bewegungen freilich muss der Körper selbst finden, und das geschieht oft erst nach langen inneren Kämpfen, wenn er sich von geläufigen und erlernten Mustern befreit. „In meiner lebenslangen Lehrzeit mit den Fünf Rhythmen ist mir klar geworden, dass wir, wenn wir an tiefe, ekstatische Orte kommen möchten, bereit sein müssen, absolut alles zu transformieren, was sich an diesem Ort des reinen Seins in den Weg stellt.

Dazu gehört jede erdenkliche Form der Trägheit: die körperliche wegen angespannter und gestresster Muskulatur, das emotionale Gepäck niedergedrückter und unterdrückter Gefühle, das mentale Gepäck althergebrachter Dogmen, Haltungen und Philosophien und auch das Gepäck der Geschichte.“

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