Feldenkrais: ein bewegungspädagogisches Konzept
Die Feldenkrais-Methode dient der Erkennung und Erweiterung von persönlichen Bewegungsmustern.
Moshé Feldenkrais, ein Kernphysiker und Judolehrer, begann diese körperorientierte Lernmethode in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts zu entwickeln.
Ausgangspunkt war die Annahme, dass Bewegung das zentrale Element des menschlichen Seins sei, denn Atmung beruhe auf Bewegung und letztlich auch Denken und Empfindungen.
Die Entstehung eines neuen Therapiekonzeptes
Der in Russland geborene Physiker lebte in Israel, Frankreich und England. Trotz seiner naturwissenschaftlichen Arbeit galt sein ganzes Interesse der Verhaltensforschung und den Zusammenhängen von Psyche und Gehirn. Anlass für sein Konzept war eine Knieverletzung, bei der die damalige Medizin nicht helfen konnte. Er fand Bewegungen und Funktionszusammenhänge, die für die Heilung seines Knies günstig waren und verfeinerte sie. Obwohl anfänglich nicht als Therapiekonzept entwickelt, wird die Methode heute in Kliniken zur Rehabilitation nach Schlaganfällen oder Unfällen eingesetzt. Auch in der Schmerztherapie und Psychotherapie berichten die Anwender von Erfolgen.
Veränderung des inneren Bildes
Feldenkrais ging davon aus, dass ein Mensch nach dem inneren Bild handelt, das er von sich selbst hat. Dieses Bild ist teils ererbt und anerzogen und entsteht zu einem dritten Teil durch Selbsterziehung. Wenn nun jemand sein Handeln ändern will, z.B. um größere sportliche oder künstlerische Leistungen zu erzielen, oder auch um schmerzerzeugende oder andere schädliche Handlungsmuster zu ändern, dann muss er dieses Bild von sich selbst erweitern.
Um das erzielen zu können, entwickelte Feldenkrais ein pädagogisches Konzept, das auf zwei verschiedene Arten unterrichtet werden kann: verbal (»Bewusstheit durch Bewegung«) und non-verbal (Funktionale Integration). Dazu erarbeitete er eine umfangreiche Sammlung von über 1000 Unterrichtslektionen. Dabei handelt es sich nicht um Körperübungen im herkömmlichen Sinn, sondern um Bewegungsanleitungen, die zum Ausprobieren und zum Lernen einladen. Auch bei den non-verbalen Einzelsitzungen gibt es eine große Sammlung von Lektionen, wobei diese immer an die Bedürfnisse des Klienten angepasst werden.
Leichtigkeit und Freude als Maximen
Feldenkrais wollte, dass die Bewegungen Spaß machen und spielerisch erfahrbar sein sollen. Keine Bewegung soll die Grenze zur Anstrengung überschreiten. Seine Maxime, die vielen Schülern anfangs Schwierigkeiten bereitet, ist die Leichtigkeit: Die Bewegung sollen bei weitgehend entspannten Muskeln und Sehnen erfolgen. In dieser Beziehung besteht eine Verwandtschaft mit dem Tai Chi. Die Grenze zwischen Anstrengung und Leichtigkeit zu finden, fördert die Sensibilisierung des Körpers.
Indem sich der Lernende über das eigene Tun bewusst wird, entsteht eine neue Beweglichkeit für Körper und Geist. Schon im Verlauf einer Lektion kann der Lernende dabei positive, außergewöhnliche Empfindungen erleben, die unterschiedlich lange nachwirken können.
Beispielübung für »besseres« Stehen
Die Übung beginnt in der Rückenlage: Stellen Sie beide Füße auf. Nehmen Sie Ihre Füße und Knie eng zusammen. Beginnen Sie, die Unterschenkel nach rechts und links zu bewegen. Lassen Sie die Knie dabei möglichst unbewegt oder bewegen Sie diese sogar zur entgegengesetzten Seite – ähnlich einem Skifahrer beim »Wedeln«. Achten Sie dabei darauf, dass Ihre ganzen Fußsohlenflächen den Bodenkontakt halten und Ihre Knie sich nicht voneinander lösen.
Diese Übung kann neben einer besseren Haltung Koordination und Eleganz in der Bewegung erreichen, die Persönlichkeit entwickeln, emotionales Wohlbefinden erzeugen und Stress abbauen. Grundsätzlich gilt bei allen Übungen, dass die Bewegungen extrem langsam und bewusst ausgeführt werden sowie rund, d.h. ohne Ecken und Zacken, sein sollten.