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News von Dipl. Ing. Silvia Bürkle

Etiketten richtig lesen - Teil I

Bei über 300 zugelassenen Zusatzstoffen wird es zunehmend wichtiger, dass wir die Etiketten auf unseren Lebensmitteln lesen. Erfahren Sie im ersten Teil unserer Serie, was Sie beim Kauf eines Joghurts beachten sollten.

News BürkleBei etwa 80 -90% der Lebensmittel, die heute auf dem Tisch des Verbrauchers landen, handelt es sich um be- oder verarbeitete Produkte: Pulverpüree statt Kartoffeln, Apfelmus in Gläser statt Äpfel, Schoko-Kakaogetränk statt Frischmilch, finden sich in allen Supermärkten. Und beinahe täglich gelangen neue Kreationen der so genannten Food-Designer in unsere Läden. Die Marketingexperten der Lebensmittelindustrie wissen genau mit welchen Informationen sie ihre Produkte bewerben müssen, um sich von der Masse abzuheben. Die leuchtend roten Erdbeeren im Müsli, die eingeschweißte Salami in zart rötlicher Farbe, der bunte farbenfrohe Mix der Gummibärchen lenken den Blick nicht unbedingt auf das kleingedruckte, die Zutatenliste.

Wichtig: Zutatenliste

Auf ihr sind alle Zutaten und Zusatzstoffe aufgelistet, die in einem Produkt enthalten sind. Meist sind es die Zusatzstoffe, die dem Lebensmittel Farbe, Geschmack, Konsistenz und Frische verleihen. Welche Zusatzstoffe in welchen Mengen und für welche Produkte zugelassen sind, regelt in Deutschland die Zusatzstoff-Zulassungsverordnung. Derzeit sind über 300 Zusatzstoffe zugelassen, die in unterschiedlichen Kategorien eingeteilt sind, wie z.B. Konservierungsstoffe, Süßstoffe, Verdickungsmittel, Farbstoffe usw.
Im Gegensatz zu den Zutaten, müssen die Zusatzstoffe zugelassen werden, d.h. jeder Zusatzstoff durchläuft verschiedene Testkriterien in denen dann ermittelt wird, ob und wie viel von diesem Zusatzstoff verzehrt werden kann ohne dass eine gesundheitliche Gefährdung davon ausgeht.

E-Stoffe: essbar oder eklig?

Zugelassene Zusatzstoffe werden mit einem "E" gekennzeichnet. "E" steht für Europa und soll dem Verbraucher europaweit ermöglichen, auch wenn er der Sprache des betreffenden Landes nicht mächtig ist, die Etiketten der Lebensmittel lesen zu können. Böse Zungen behaupten auch das "E" stehe für "essbar" oder "eklig".
Allerdings: Wenn keine Zusatzstoffe auf dem Etikett deklariert sind, heißt das nicht, dass keine vorhanden sind, sondern nur, dass sie im Produkt keine technologische Wirkung entfalten. Auf dem Umweg über zusammengesetzte Zutaten gelangt so manch ein Zusatzstoff unerkannt ins Endprodukt. Beispiel Magnesiumstearat: Es sorgt in Kakaopulver dafür, dass der Kakao rieselfähig bleibt. In einem fertigen Kakaogetränk übt dieser Zusatzstoff keine Wirkung mehr aus. Er wird deshalb nicht im Etikett aufgeführt.

Der Milchmarkt boomt

News Bürkle 2Deutschland ist einer der größten Milchmärkte in Europa und Spitzenreiter bei der Auswahl von Joghurt und Co. Zwölf Kilogramm werden pro Mann und Nase im Jahr an Joghurt verbraucht, in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. Dabei bleibt dem Verbraucher aber weitgehend verborgen, dass die Gesetzgebung große Unterschiede bei den Milchprodukten macht. Es wird im Lebensmittelgesetz genau geregelt wann man einen Joghurt als Fruchtjoghurt deklarieren darf, wann als Joghurt mit Frucht- zubereitung und wann es ein Joghurt mit Fruchtgeschmack ist.

  • Fruchtjoghurt muss mindestens 6% Frischfruchtanteil haben, das entspricht 9g Frucht
    auf einen 150g Joghurtbecher
  • Joghurt mit Fruchtzubereitung muss mind. 3,5% Frischfruchtanteil haben, das entspricht
    5g frische Frucht auf einen 150g Joghurtbecher
  • Joghurt mit Fruchtgeschmack braucht keinen Frischfruchtanteil zu enthalten

Damit diese Fruchtjoghurts aber tatsächlich nach Frucht schmecken, z.B. nach Erdbeere, muss mit reichlich Zusatzstoffen nachgeholfen werden – in ganz banalen Joghurts ist daher häufig ein regelrecht Cocktail an Zusatzstoffen zu finden. Angefangen über Süßstoffe, Aromen, Verdickungsmittel und Farbstoffe.
Viele Lebensmittelzusatzstoffe stehen im Verdacht, Krankheiten zu fördern, wie z.B. Morbus Crohn, Allergien, Pseudoallergien und auch ADHS. Eine stark umstrittene Gruppe der Zusatzstoffe sind die Süßstoffe. Erfahren Sie darüber mehr in der nächsten Ausgabe von Meine Balance!

Silvia Bürkle

Dipl.-Ing.(FH) Ernährungstechnik (Schwerpunkt Pathophysiologie und Diätetik), war 15 Jahre in der Lebensmittelindustrie im Bereich der Produktentwicklung und Qualitätssicherung tätig.

Sie hat zusammen mit Dr. Wolf Funfack das Stoffwechselprogramm metabolic balance® entwickelt, ist Ausbilderin für die Methode metabolic balance®, Dozentin der Ernährungsberaterausbildung, Referentin in Heilpraktiker- und allgemeinbildenden Schulen und Autorin des metabolic balance Kochbuch Nr. 2