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Ist der Eiweiß-Boom nur die nächste Ernährungsmode? Warum Qualität, Quelle und der Mensch, der isst, mehr zählen als eine immer größere Zahl.
Eiweiß steht gerade voll im Rampenlicht. Andy Warhol soll gesagt haben, jeder werde einmal für 15 Minuten berühmt sein, und vielleicht gilt das auch für einzelne Bausteine unserer Ernährung. Aber ist das nur die nächste Modeerscheinung oder etwas, das wir ernst nehmen sollten? Meiner Meinung nach trägt der aktuelle Eiweiß-Hype alle Züge einer Mode, aber es steckt auch eine wichtige Botschaft darin. Sie muss nur genauer werden und auf den einzelnen Menschen zugeschnitten sein.
Wenn du in deinen Supermarkt gehst, findest du kaum noch ein Lebensmittel, das nicht laut mit seinem Eiweißgehalt wirbt: Proteinriegel, Proteinwasser, sogar Protein-Chips und Protein-Eis. In den sozialen Medien zeigen Influencerinnen und Influencer stolz, wie viel Eiweiß sie essen, und mich persönlich fasziniert, wie „high protein" still und leise zum Synonym für „gesund" geworden ist.
Ja, wir wissen, dass Eiweiß absolut unverzichtbar ist und in der richtigen Menge zu jeder Mahlzeit gehört. Der Körper braucht es für viele Hormone, für Botenstoffe im Nervensystem, für Enzyme, Antikörper und vieles mehr. Berühmt geworden ist es aber vor allem durch seine Rolle beim Aufbau und Erhalt der Muskulatur. Das ist einer der wichtigsten Wege, die Gesundheit ein Leben lang zu unterstützen. Ich habe allerdings das Gefühl, dass diese Botschaft unterwegs stark vereinfacht wurde, und in den Händen des Lebensmittelmarketings wurde sie zu zwei Ideen zurechtgebogen:
Beides stimmt so nicht ganz. Staatliche Gesundheitsbehörden sind sich weitgehend einig, dass Erwachsene etwa 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag brauchen, von Australien und Großbritannien bis nach Europa und in die USA. Deutschland, die Heimat von Metabolic Balance, setzt den Wert für Menschen über 65 etwas höher an, die nordischen Länder sogar noch höher. Viele dieser Werte sind schon älter (die britischen stammen von 1991!), und Australien überarbeitet gerade seine Ernährungsrichtlinien. Das verfolge ich mit großem Interesse.
Fairerweise muss man sagen: Die Richtlinien gehen von einer abwechslungsreichen Ernährung aus. Doch irgendwo zwischen den Richtlinien und dem Supermarktregal hat sich der Blick auf die Zahl verengt. Ob deine 50 Gramm Eiweiß aus Joghurt, Linsen, Hähnchen oder Proteinpulver stammen, scheint kaum noch eine Rolle zu spielen.
Das Problem: Es geht um so viel mehr. Ja, die richtige Menge ist entscheidend, aber genauso wichtig sind die Quelle, die Qualität, der Zeitpunkt, die Zubereitung und das, was sonst noch auf dem Teller liegt. Linsen bringen Ballaststoffe mit und fetter Fisch Omega-3-Fettsäuren, ein Protein-Eis dagegen bleibt ein Eis. Wer eine Mahlzeit nur nach einer Zahl zusammenstellt, verdrängt andere Lebensmittel vom Teller, und dabei essen viele Menschen ohnehin zu wenig Gemüse, Ballaststoffe und Obst.
Es kommt auch darauf an, wer isst. Wie Eiweiß verdaut, aufgenommen und verwertet wird und wie seine Abbauprodukte ausgeschieden werden, ist sehr individuell. In meiner langjährigen Praxis habe ich erlebt, dass tierisches Eiweiß nicht jedem gleich gut tut, genauso wenig wie pflanzliches. Alter und Lebensphase, Verdauung, Darmgesundheit, Nierenfunktion und persönliche Gesundheitsziele spielen alle eine Rolle. Mit zunehmendem Alter reagieren unsere Muskeln schwächer auf Eiweiß, deshalb haben eine 25-Jährige und ein 70-Jähriger von derselben Mahlzeit nicht denselben Nutzen.
Deshalb schätze ich den individuellen Ansatz von Metabolic Balance. Jeder Plan beruht auf einer Blutanalyse. Im Mittelpunkt jeder Mahlzeit steht Eiweiß aus vollwertigen Lebensmitteln, individuell ausgewählt, und bei Bedarf passen die Coaches den Plan weiter an. Auch alle anderen Lebensmittelgruppen haben ihren festen Platz, und so wächst nach und nach das Wissen, wie ausgewogenes Essen gelingt, das auch Freude macht.
Ich freue mich sehr, dass Eiweiß gerade im Rampenlicht steht. Das hat es verdient! Aber die Antwort ist so viel, viel, viel mehr als „einfach mehr essen". Entscheidend ist, zu wissen, welche Eiweißquellen für dich die richtigen sind, aus einer großen Auswahl vollwertiger Lebensmittel zu wählen und zu verstehen, wann und wie du es isst, und das alles zusammen mit regelmäßigem Training und Bewegung im Alltag. Eine auffällige Zahl auf einer Plastikverpackung garantiert nichts davon.
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